Moritz Laẞmann

Tod eines Sterns

Konzert für Bassposaune und Orchester

Preis: auf Anfrage

Besetzung:

Partitur | Bassposaune und Orchester | Bpos (Solo) | 3(Picc)2(Englhrn)3(Bklar)3(Kfgt) - 4231 - Pk, 2 Perk - Hrf - Str (min 88663)

Beschreibung:

Das Unvorstellbare durch Musik zu erschließen und sinnlich fassbar zu machen, war bei diesem Werk mein Anliegen. Ich versuchte, die jenseits der menschlichen Erfahrungen liegenden Dimensionen des Universums in Töne zu übersetzen. Konkret geht es um das Verlöschen eines Sonnensterns. Dafür habe ich ein komplexes Ton­rei­hen­sys­tem entwickelt, um die verschiedenen chemischen Elemente musikalisch darzustellen, die während der Ver­bren­nungs­sta­di­en der Sonne entstehen und miteinander reagieren. Die Tonreihe eines Elements spiegelt dabei sowohl die Atommasse des Elements als auch dessen Entstehung aus anderen Elementen wider.

 

­Die Wahl der Bassposaune als Soloinstrument ist im Sinne dieses Vorhabens nur konsequent. Denn gegenüber anderen Blech­blas­in­stru­men­ten zeichnet sich diese Posaunenart durch eine besondere Vielfalt an Spieltechniken aus, darunter stufenlose Glissandi in den ver­schie­dens­ten Registern und große In­ter­vallsprün­ge. Die Bassposaune nämlich hat im Vergleich zur bekannteren Tenorposaune einen erweiterten Tonumfang in der Tiefe und kann daher besonders resonanzreiche Töne pro­du­zie­ren.

 

­Zu Beginn des dreisätzigen Konzerts erleben wir eine Sonne im überreifen Zustand kurz vor der Implosion. Die langsamen, quälenden Glissandi in den Streichern erzeugen ein Gefühl von unerträglicher Hitze. Durch die Akzente im Schlagwerk treten uns die Son­ne­ne­rup­ti­o­nen vor Augen, die ins All schießen. Aus dem gewaltigen Akkordnebel tritt mehr und mehr die So­lo­-­Bass­po­sau­ne hervor, die mit der Tonreihe des ersten Elements, Wasserstoff, in eine Rückblende zu einem früheren Stadium der Sonne überleitet. Im Folgenden bietet sich dem Solisten die Möglichkeit, alle Facetten seines Könnens zu zeigen, insbesondere durch schnelle, rhythmische Passagen und die erwähnten großen Sprünge. Dabei entwickelt die Bassposaune verschiedene markante Motive, die anschließend von anderen Stimmen imitiert werden. Zum Schluss des ersten Satzes entstehen In­ter­vall­stau­chun­gen, in dem sich die Motive mehr und mehr verdichten: Mit jeder Repetition werden sie lauter und steigen chromatisch nach oben hin an.

 

­Der liegende Ton es in den Bratschen leitet fließend über in den zweiten Satz. Dieser wechselt in die irdische Perspektive und ahmt den Blick durch das Teleskop auf weit entfernte Sterne nach. Das Brodeln der Sonne, das den Anfang des ersten Satzes bestimmt, wird hier nun aus großer Distanz beobachtet, wobei der Einsatz von Dämpfern für alle Posaunen den Eindruck von Entfernung unterstreicht. Es bleibt lediglich die Ahnung des Wirkens gi­gan­ti­scher  Kräfte, ein finsteres Dröhnen, welches durch das Reiben von ­Su­per­ball­-­Schlä­geln auf der großen Trommel hervorgerufen wird. Bestimmendes Element des Satzes ist das Wechselspiel der stufenlosen Glissandi zwischen der So­lo­-­Bass­po­sau­ne, den Posaunen des Orchesters sowie den tiefen Strei­chern.

 

Das Finale beginnt mit einem Strei­che­r­ak­kord im dreifachen Piano, der auf der Tonreihe des Elements Magnesium beruht. Somit hat die Sonne bereits eine der letzten Stufen vor der Implosion erreicht. Es folgt eine dramatische Steigerung zum Fortissimo. Nach kurzer Überleitung kommt eine Reprise mit dem prägnanten, rhythmischen Thema der So­lo­-­Bass­po­sau­ne aus dem ersten Satz, die mit Staccato-Tönen in den Hörnern zu einem abrupten Ende kommt.

 

­Mit Strei­cher­tre­mo­li wird die letzte Ver­bren­nungs­pha­se vor der Implosion eingeläutet. Alle bisher verwendeten Elementreihen treten nach und nach noch einmal auf, und zwar in permutierter Form. Die Akzente im Schlagwerk greifen die Son­ne­ne­rup­ti­o­nen vom Beginn des ersten Satzes auf, dieses Mal noch verstärkt durch Bläser. Aus dem allgemeinen Chaos hört man die rhythmisch klaren Passagen der Bassposaune heraus. Im Höhepunkt der klanglichen und dynamischen Steigerung geht das diffuse Or­ches­ter­ge­sche­hen über in einen Tuttiakkord, der aus den Tönen der Eisentonreihe besteht, welche als letztes Element übrig bleibt, bevor sich die Sonne in ein Schwarzes Loch verwandelt. Luftgeräusche, Klap­pen­ge­räu­sche sowie Glissandi und obertonreiche Klänge der Streicher anstelle von klaren, eindeutig erkennbaren Tönen geben eine Vorstellung des nicht sichtbaren, nicht greifbaren Schwarzen Lochs, bis sich die Klänge ins Nichts auf­lö­sen.

 

­Mo­ritz Laßmann

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